Zwischen Kolonialismus und Kokosnüssen

Probenauftakt in der Roten Fabrik Zürich für SHIT ISLAND.

+++Recherchen in Reiseberichten aus dem 18. Jh, im Deutschen Koloniallexikon und in Tagebüchern der Expressionisten, sowie ein unerwarteter Dia-Vortrag. +++

von André 18.09.2017

Für SHIT ISLAND, die neuste Produktion von Futur3, scheuen wir keine (Recherche-)Mühen, und wälzen Bücher, alte Zeitschriften und Tagebücher, um die tropische Sehnsucht und Südsee-Romantik nachzuvollziehen, die Europa im 19 Jahrhundert erfasst hat. Spätestens als auch das Deutsche Reich „Schutzgebiete“ im Pazifik erlangte, blühte auch hierzulande der Traum vom sorglosen Leben unter Palmen auf.

„Es geht uns alten Europäern mehr oder weniger allen herzlich schlecht. Unsere Zustände sind viel zu künstlich und kompliziert. Unsere Nahrung und Lebensweise ohne die rechte Natur, und unser geselliger Verkehr ohne eigentliche Liebe und Wohlwollen. Man sollte oft wünschen, auf einer der Südseeinseln als sog. Wilder geboren worden zu sien, um nur einmal das menschliche Dasein, ohne falschen Beigeschmack, durchaus rein zu genießen“ – Johann Wolfgang von Goethe, 1828

„Vor 6 Jahren fand man auf Angar große Phosphatlager. Und die dt. Südsee-Phosphatgesellschaft Bremen begann, Anlagen zur Gewinnung und Verschiffung dieses wertvollen Minerals zu schaffen, Produkt von Milliarden von Vögeln, die einmal auf dieser herausragenden Felsenklippe genistet hatten.Jetzt ist es eine kleine, mit deutscher Gründlichkeit praktisch und modern eingerichtete Kolonie fleißig arbeitender Menschen. Ein schönes Zeichen deutschen Pionierleißes.Die erste Nacht in der Südsee!“ – Max Pechstein „Reise nach Palau“, 1915

„Erhaltet Palau! Liebe dt Landsleute! Entwickelt Palau zum Naturschutzpark! Verbietet die Ansiedlung von Weißen! Verbietet Wellblech und Rosen! Kein Hotel!“ – Augustin Krämer 1914, März, dt. Kolonialzeitung

Schlagwörter: Deutschland / Kolonialismus / Theater