Futur3

Ortschaft:Abgeschaltet – Das Ensemble »Futur3« in Aktion

Geschichte Futur3 – aus drei wurden viele

„Eine der spannendsten Theatertruppen in Köln“ (AKT- Die Theaterzeitung)

Futur3 wurde im Herbst 2003 von Andre Erlen, Stefan H. Kraft und Klaus Maria Zehe als Plattform für ihre Theaterarbeit in Köln gegründet. Seitdem hat das Ensemble, das die meisten seiner Produktionen im Kollektiv erarbeitet, jährlich ein großes Projekt realisiert, sowie eine Vielzahl von kleineren Formaten entwickelt, die oft als Auftragswerke für einen speziellen Raum oder Anlass entstanden sind (Nationaler Tag der Archive, Masterplan für die Stadt Köln etc.). Futur3 sucht bewusst die internationale Zusammenarbeit: Arbeitskontakte, Festivaleinladungen und Koproduktionen mit Theaterkünstlern in der Ukraine, Polen, USA, Italien, Israel, Singapur, Schweiz und Belgien haben die Arbeiten der letzten Jahre bereichert. Die Produktionen des Ensembles wurden mehrfach ausgezeichnet (u. a. Jurypreis Heidelberger Theatertage 2009, Publikumspreis Festival Albuquerque 2008, Kölner Theaterpreis 2010, Kurt-Hackenberg-Preis für politisches Theater 2010). Die Musikerin Marjana Sadowska und der Autor und Dramaturg Klaus Fehling ergänzen den Kern des Ensembles.

Mit „Der Duft, die Stadt und das Geld“ (Köln, 2006) hat Futur3 begonnen, den eigenen Arbeitsstil weiterzuentwickeln: In einer faktisch-fiktionalen Erzählweise werden die Konzentrate der oft sehr ausführlichen Recherchephasen mit den Ergebnissen vermischt, die die Schauspieler in Improvisationen entwickelt haben: Für „Petersberg I“ (2010) waren z.B. etwa 30 Interviews, die die künstlerischen Leiter Andre Erlen und Stefan H. Kraft in Israel und den Palästinensischen Autonomiegebieten geführt hatten, die Grundlage für die Entwicklung der Figuren, die die Zuschauer durch eine Nahost-Friedensverhandlung begleiteten. Verstärkt wird diese Erzählweise, in der sich Realität und Fiktion vermischen, durch die Arbeit im öffentlichen Raum, der für Zuschauer und Schauspieler mit zusätzlichen Informationen und Assoziationen aufgeladen ist.
Außerdem können sich hier Zuschauer und Schauspieler nicht im dunklen Zuschauerraum oder hinter raffinierter Bühnentechnik verstecken, sondern treten in eine persönlich und inhaltlich direkte Auseinandersetzung mit den Themen von Futur3, die seit einigen Jahren stark um große politische Brennpunkte kreisen. Neben „Petersberg I“ zeigte Futur3 im Jahr 2010 „Eine Nacht in Afghanistan“, eine Auseinandersetzung mit dem Sinn und Zweck des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr.

Eher gesellschaftspolitische Fragen waren die Auslöser für das besonders erfolgreiche und viel gespielte Projekt „_vater.mutter.hund/“ (2007), das sich mit der Entwicklung der Familie in unserer Gesellschaft befasste, oder auch die Produktion im April 2012 „Ortschaft:Abgeschaltet –

MEYER_ORIGINALS»Von Genen und anderen Zufällen« erzählen André Erlen, Stefan H. Kraft und Klaus Maria Zehe

Mittels intimer Einblicke in persönliche Geschichten stellt Futur3 in der ersten Produktion für Jugendliche (14+) „Von Genen und anderen Zufällen“ (2013) die große Frage: „Wann können wir behaupten, ein gelungenes Leben zu leben?“

Ein weiteres Spezifikum der Theaterarbeit von Futur3 ist der fortwährende Versuch, große Themen an Theaterfiguren fest zu machen, die einen Zugang zur Komplexität der Materie dadurch erlauben, dass sie selbst mit ihr ringen: Die Schauspieler von Futur3 sind durch den direkten Kontakt mit dem Publikum gezwungen, mit größtmöglicher Authentizität zu agieren, um als Menschen – und nicht als Kunstfiguren wahrgenommen zu werden.
Daraus kann folglich das entstehen, was Futur3 seit Jahren immer wieder aufs Neue sucht: Über das Theater einen emphatischen Zugang zu den großen Themen unserer Zeit zu finden.