1934 – STIMMEN

Oder: Als mein Mann das große Glück hatte, dem Führer im Tempelhofener Flughafenrestaurant eine Erfrischung reichen zu dürfen.

Gewinner des Kurt-Hackenberg-Preis für politisches Theater 2020.

Eine Wiederaufnahme für Mai/Juni 2021 ist derzeit in Planung.
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Infotext

Die Bewegung ist jung, der Frontmann charismatisch. Herzen und Köpfe fliegen ihm zu. Der Eintritt in die Partei? Ehrensache. Die NSDAP wächst zur mitgliederstärksten Partei der deutschen Geschichte. Was geht da vor in diesem Land? Was denken und fühlen diese Deutschen? Fragen, die der US-Soziologe Theodore Abel 1934 durch ein Preisausschreiben beantworten wollte. Rund 700 autobiografische Aufsätze von Nazis der ersten Stunde gingen bei ihm ein.

Futur3 blickt zurück und stellt sich der Frage, wer die Menschen waren, die die historische Nazi-Bewegung unter Einsatz sämtlicher Mittel systematisch vorangetrieben haben. Befragt wird damit auch unsere Gegenwart: Welche Lebenswege führen in die Radikalisierung? Und wie entstehen aus einem individuellen Unbehagen in der Gesellschaft neue politische Mehrheiten, die ein demokratisches System zu stürzen in der Lage sind?

1934 – Stimmen basiert auf einer Aufsatzsammlung des US-Soziologen Theodore Abel (1896-1988). Anfang der 1930er Jahre interessiert sich Abel für den politischen Aufstieg der NSDAP – was bewegt die Deutschen, die mit der Partei sympathisieren? Die Daten für seine Studie will Abel über ein Preisausschreiben erheben. Im Juni 1934 lobt er mit offizieller Unterstützung durch das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda einen Schreibwettbewerb aus. Gesucht wird die beste Lebensgeschichte eines NSDAP-Mitglieds der ersten Stunde. Rund 700 autobiografische Aufsätze gingen bei Abel ein, ihre Länge variiert zwischen einer handschriftlichen Notiz und 80 Schreibmaschinenseiten. Im Mittelpunkt stets die Frage: „Warum ich Nazi wurde“. Futur3 unterzieht die Lebensläufe einer theatralen Re-Lektüre und collagiert die persönlichen Bekenntnisse zu einer vielstimmigen Tour durch deutsches Denken und Fühlen. In den Kellergewölben des NS-Dok absolvieren die Zuschauer*innen einen Parcours wechselnd zwischen Live-Performance und multimedialer Installation.

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Fotos: ©Martin Rottenkolber


„Immer wieder gerät man ins Staunen, wie naiv und enthusiastisch, nah und vertraut, selbstverständlich und persönlich die Reise ins Nazisein geschildert wird – und wie einfach es gewesen wäre, sie selbst zu vollziehen.“

Theater heute, Dorothea Marcus


„Eine Begegnung mit der Vergangenheit, deren Intensität es in sich hat.“

„Wer die „Stimmen“ erlebt […] will dringend weiterforschen und nach Ursachen fragen. Was will man mehr?“

KSTA, Frank Olbert


„Sphärische Klänge (Musik: Jörg Ritzenhoff) und Gesang (Mariana Sadovska), lebendige Video-Malereien (Kane Kampmann) an den Wänden und so manch absurder Humor („Als mein Mann das große Glück hatte, dem Führer eine Erfrischung reichen zu dürfen“) machen diesen Geschichts-Parcours zu einem nachhaltigen Erlebnis.“

Kölnische Rundschau, Rolf-Rüdiger Hamacher


„Politisches Theater gefällt längst nicht jedem, vor allem, weil es da erfahrungsgemäß wenig zu lachen gibt. Man womöglich sogar noch denken muss. Und bei der neuen Inszenierung von Futur3 bleibt einem gar mitunter das Lachen im Halse stecken. Die persönliche Belastung für den Besucher ist enorm. Aber wer im Hof ankommt, fühlt sich wie reingewaschen. Großartig.“

O-Ton, Michael S. Zerban

Termine

Premiere: 04.09.2020 – AUSVERKAUFT!
Weitere Termine: 05.& 06.09.2020, 08.09.-13.09.2020 – AUSVERKAUFT!
Zusatztermine: 28.09.-30.09.2020 – AUSVERKAUFT!

Startzeiten im 10 Minutentakt 18:00 bis 20:00 Uhr
Ort: NS-Dokumentationszentrum, Appelhofplatz 23-25, 50667 Köln

Tickets:

AUSVERKAUFT! – Derzeit sind leider keine Tickets mehr verfügbar. Schreiben Sie uns gerne eine Mail, wir setzen Sie auf eine Warteliste und geben Ihnen Bescheid, sobald Tickets verfügbar werden.
Hinterlassen Sie gerne Ihre Rufnummer zur schnelleren Kontaktaufnahme.

Der Parcours ist in Einzelslots begehbar, die Buchung eines festen Zeitslots ist daher unbedingt notwendig. Bitte buchen Sie Ihren individuellen Termin frühzeitig. Die Buchung kann erst nach Zahlungsabwicklung final bestätigt werden, daher kann es auch vorkommen, dass geblockte Startzeiten wieder freigegeben werden.

Aufgrund der Raumbeschaffenheit und maximalen Personanzahl, ist es nach aktuellem Stand leider nicht möglich Slots doppelt zu belegen, auch wenn Sie Teil eines gemeinsamen Haushalts oder einer „Infektionsgemeinschaft“ sind.

Ticketpreise: 20 € / ermäßigt 15 €

Reservierung (mit Wunschdatum und -Startzeit) über tickets@futur-drei.de
Wir setzen Sie gerne auf die Warteliste und informieren Sie über freiwerdende Slots oder Wiederaufnahmen. Für spontan freiwerdende Startzeiten geben Sie gerne Ihre Telefonnummer an.

(Bestätigung erfolgt innerhalb weniger Tage)

Besetzung

Von und mit:Frank Casali, Anja Jazeschann, Stefan H. Kraft, Luzia Schelling, Regina Welz (Spiel); André Erlen (Regie); Charlotte Luise Fech-ner, Sandra Nuy (Auswahl & Bearbeitung der Abel-Papers); Charlotte Luise Fechner (Chor-Text); Jörg Ritzenhoff (Komposi-tion & Musik); Mariana Sadovska (Musik & Gesang); Petra Ma-ria Wirth (Kostümbild); Kane Kampmann (Video, Malerei & Raum); Jens Standke (Video); Boris Kahnert, Jan Wiesbrock (Licht); Samira Clausius (Regieassistenz); Miriam Meissner, Nastassja Pielartzik (Assistenz); Theresa Heußen (Produktions-management); neurohr & andrä (Öffentlichkeitsarbeit);
Spielfassung: Ensemble; Zeichnung & Grafik: André Erlen

Danksagung

Dank an das NS-Dokumentationszentrum sowie an den Berlin Story Verlag und Wieland Giebel


© Eine Produktion von Futur3 – freies Theaterkollektiv Köln in Zusammenarbeit mit Freihandelszone – Ensemblenetzwerk Köln

Förderer

Mit freundlicher Unterstützung von:
Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Kulturamt der Stadt Köln, Kunststiftung NRW

Schlagwörter: Deutschland / Meinung / Performance / Politik / Theater